Friday, July 14, 2006

Das Leben im Hotel ...

... kann ganz schön angenehm sein. Jetzt, wo ich auch eine Klobrille habe, ist alles toll. Total verstört ist der Hotelmensch von meinem in Mareikes Zimmer und zurück gerannt, bis er verstanden hat, dass bei mir die Klobrille fehlt. Völlig verständlich, dass man dieses klitzekleine, kaum erkennbare Detail an einer schwer einsehbaren Stelle des Klos übersehen kann. Heute wurde ich aber stolz auf die neue Errungenschaft hingewiesen. Ansonsten gucken mich Tinas Ratten vom Schrank aus noch an. Der Fernseher versorgt mich mit neuesten Informationen über die Bombay blasts und ich kann mich gar nicht sattsehen am National Geographic und Discovery Channel. Vor dem Fenster plätschert der Regen gemütlich vor sich hin und mich gut in den Schlaf, begleitet von einem traumhaften Froschkonzert. Heute morgen haben mich dann der verdrängte Klang von rotzenden Männern und die Roomboy-Klingel geweckt. Sogar die Bettlaken sind hier zu 95% weiß, was ein ganz

gutes Gefühl hinterlässt. Ich gehe davon aus, dass es so bleibt. Einer unserer ersten Einkäufe war auch so ein Steckdosenteil gegen Mücken. Da ich mich kenne und die Wirksamkeit dieser Steckdosendinger schmerzlich erprobt habe, habe ich auch gleich noch ein paar Rauchspiralen draufgepackt. Man weiß ja nie! Letzte Nacht haben mich noch in Ruhe gelassen. Fortsetzung folgt ...

Mein erstes Mal ...

... Ad & PR im fünften Semester.

Selbst im westlich orientierten MIC (Manipal Institute of Communication - Fotos gibt es, wenn es aufhört zu regnen) ist alles anders. Was davon gut ist oder eher nicht so, entscheidet selbst.

Nachdem wir heute unsere Hausaufgabe, unseren Stundenplan, mit der Ma'am Malika besprochen hatten, schlug für mich das Stündchen der Wahrheit. Erster Kurs: Ad & PR im fünften Semester, Namen der Dozentin habe ich schon wieder vergessen, Ma'am reicht völlig aus. Vorlesungsbeginn war 14 Uhr. Um 14 Uhr sollte ich in der Lobby sitzen, damit Malika mich der Dozentin vorstellen konnte. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich 2 Minuten zu spät war, aber meine Dozentin hat mich um 8 Minuten übertroffen. Gemütlich gings ins Klassenzimmer (in völliger Fehlinterpretation der Größe hall getauft), als erstes wurde wie früher die Anwesenheit kontrolliert, dann stand Ma'am schweigend vor dem schnatternden Haufen. Der Blick wanderte von links nach rechts. Hier und da war ein "schscht" zu hören, dann von ihr die Frage, als es ein paar wenige Dezibel leiser geworden war, "Shall I start?" - "Yes, Ma'am!". Glaubt aber bloß nicht, dass es auch nur zwei Sekunden so "leise" geblieben ist. Bei solch einem Geräuschpegel käme bei uns kein Dozent auf die Idee auch nur ein Wort zu sagen. Mareike und ich haben uns schon gefreut, dass die Vorlesungen hier nur 60 Minuten gehen. Heute hatte ich im Endeffekt 30 Minuten - der symmetrische Stundenaufbau hat zugeschlagen. Wer eine Viertelstunde zu spät anfängt hört auch eine Viertelstunde zu früh auf. Mareikes Kurs ist dann gleich mal ausgefallen.

Morgen geht's weiter mit Media Organisation, ich bin gespannt! Mehr dann demnächst.

I'm singing in the rain ...

... naja, nicht so wirklich. Wenn ihr glaubt, dass man sich in Bremen an Regen - auch an starken Regen - gewöhnen kann: falsch gedacht! Was hier abläuft - das ist durchaus wörtlich zu nehmen - könnt ihr euch einfach nicht vorstellen. Es regnet wirklich den ganzen Tag. Hier wartet keiner darauf, dass es vielleicht für fünf Minuten aufhört, sondern maximal darauf, dass es ein bisschen weniger wird.

Die traumhften Schlaglöcher in den Straßen mutieren zur Zeit gerne auch zu heimtückischen Seen in denen der Fuß bis über den Knöchel versinkt. Einige Straßenabschnitte sind problemlos, da gibt es weder Schlaglöcher/Seen noch kreuzende Straßen. Seitenstraßen, besonders wenn sie bergab führen, bringen meist kleine bis mittlere Flüsse mit sich.

Auf dem Bild seht ihr den Wasserfall, die Seenlandschaft und den reißenden Fluss, auf die ich blicke, wenn ich aus meinem Hotelzimmer gucke.




Heute habe ich dann auch festgestellt, dass mein Regenschirm nicht monsuntauglich ist. Nach einiger Zeit im Regen oder kurzer Zeit im starken Regen tropft es nämlich durch. Weniger angenehm das Ganze. Aber da Mithilesh uns versprochen hat, dass es in ein paar Tagen weniger wird, habe ich beschlossen doch keinen neuen Regenschirm zu kaufen. So stark ist mein Tatendrang dann doch nicht, dass ich mir alles sofort angucken muss. Auch wenn Mithilesh uns heute gerne schon ueberall hingeschleppt haette.

Ihr werdet den Jubelschrei bis Deutschland hören, wenn es wirklich aufhört. Bis dahin heißt es wohl weiterhin: Walking through rivers.

BOMBay ...

... Das ist doch mal ein Empfang in Indien!

Da steigen wir nichts ahnen aus dem Flieger, rufen brav zuhause an und es kommt die Frage:

"Ihr wisst, was los ist?" Ehrliche Antwort:"Nein!" Besorgtes Schweigen am anderen Ende:"Acht Bombenanschläge auf Züge in Bombay!" Tiefes Schlucken am anderen Ende. "Okay!"

Keine zwei Sekunden später kam ein besorgter Inder auf uns zu und legte uns nahe den Flughafen erst nach Anbruch der Dunkelheit zu verlassen. Er war dann sehr glücklich, als wir ihm erklärt haben, dass wir noch weiterfliegen.

Von den angekündigten verschärften Sicherheitsvorkehrungen haben wir erstmal nichts mitbekommen. An der riesigen Durchleuchtungsmaschine wurden wir freundlich vorbeigewunken, sonst erwarteten uns auch nur 10,5 statt 9 Stunden warten. Erhofft hatten wir Zeitungen zum Zeitvertreib, aber auch hier scheinen die Uhren anders zu gehen: Um 6 trudelte die erste Zeitung ein, danach zwei weitere. Wenigstens die Chance sich etwas über das Geschehen zu informieren. Dem Nachrichtensender auf Hindi konnten wir nur die Opferzahlen entnehmen, mehr war nicht drin.

Im Hotel angekommen, schnell den englischen Nachrichtensender an. Viel mehr weiß ich jetzt auch nicht, weil die Korrespondenten ein völlig unverständliches Englisch sprechen und die paar Fakten immer wieder in neuen Schaubildern gebracht wurden.

Ansonsten habe ich das Gefühl, dass das Ganze gerne totgeschwiegen wird. Selbst, als wir berichteten, dass wir über Mumbai (so heißt Bombay jetzt) geflogen sind, kam nicht mehr als ein sorgenvoller Blick.

Grob geschätzte 900 Kilometer sind scheinbar Abstand genug, um sich nicht weiter drum zu kümmern.

Hoffentlich schaffe auch ich es in den nächsten Tagen ein Ründchen zu recherchieren und mehr zu erfahren. Gestern gab es nämlich nur Zahlen von Verletzten und Toten, gruselige Bilder und den Verdacht, dass das alles ein Schlag gegen das boomende Indien sein sollte. Schließlich ist es der upper-class-Stadtteil gewesen und nur Wagen der ersten Klasse, die sich nur Businessmenschen leisten (können).

Wenn einer eine Reise tut ...

... dann kann er viel erleben!

Und genau das habe ich getan.

Los ging der Spaß um 7.30 Uhr im Hause Meyer im beschaulichen Elsenfeld.

Wegen drohender Straßenverstopfung ging es nicht direkt zum Flughafen nach Frankfurt, sondern erstmal zum Bahnhof nach Hanau und von dort mit dem Zug weiter.

Am Gleis am Flughafen wartete schon meine Oma. Trotz Irrfahrt pünktlich - was wäre in dieser Familie sonst auch zu erwarten gewesen.

Also ab an den Schalter und eingecheckt. Auf dem Weg schallte auf einmal ein Hallo durch die Gegend und Mareike hatte es doch geschafft aus dem Gatebereich rauszukommen. Eigentlich nichts besonderes, aber wenn ich ein Flugzeug besteige, geht scheinbar selten etwas glatt. Noch guten Mutes habe ich meinen Rucksack in das Durchleuchteteil geschoben, da starrten die beiden Herren etwas genauer auf den Bildschirm. "Machen Sie mal bitte Ihren Rucksack auf!" Total gerne, aber was will man . "Wir müssen da einen Spezialtest mit Ihrem Fön machen!" Der Spezialtest war dann ein Rauschgifttest. Seh ich so aus? Naja, Zeit war ja genug und weil die beiden Herren dann so ein schlechtes Gewissen hatten, durfte ich zum First Class-Schalter.

Dank der wie immer mehr als großzügigen Zeitplanung war noch Zeit für einen ausgiebigen Kaffee. Kurz drauf hieß es dann Abschied nehmen und wider Erwarten nur mit wenigen Tränen. Ich war so stolz auf mich!

Im Flieger konnten wir im Gegensatz zu so manch anderem Mitflieger unsere Plätze problemlos einnehmen. Das leckere Essen (Chickencurry, Brötchen, Joghurt, Kekse, Obstsalat, Schwarzwälder Kirsch, Salat ...) haben für die langweilige Unterhaltung (schlechter Bollywoodfilm und noch schlechtere Comedyfilmchen) entschädigt.

Mein Fensterplatz hat auch nicht so viel Abwechslung gebracht, weil ziemlich bald ziemlich deutlich darauf hingewiesen wurde, dass die Schiebeteile bitte vor die Fenster zu machen seien. Also: nix wars mit spektakulärer Aussicht. Schade eigentlich. Als es draußen dunkel wurde, konnten wir noch ein paar letzte Blicke auf das Kaukasus-Gebirge und Bahrain erhaschen, wenn die Flugroutenkarte uns nicht belogen hat. Im Landeanflug strahlten uns vermeindlich friedlich die Lichter Mumbais entgegen.

Jetzt warteten nur noch schlappe 9 Stunden Warterei im erstaunlich geräumigen und neuen domestic airport auf unseren Anschlussflug auf uns. Die haben wir mit Maulen, Dösen, Tee trinken, auf Zeitung warten, auf die Anzeigetafel starren und Beobachten einer bestens situierten Familie aus London verbracht.

Endlich im Flugzeug nach Mangalore, genehmigten wir uns nochmal eine ausgiebige Mütze Schlaf und ließen das Frühstück gekonnt aus.

Mangalores Flughafen war dann alles andere als geräumig. Vom Flieger aus tapsten wir ein paar Schritte ins Gebäude und stolperten quasi schon über das Gepäckband. Am Ausgang warteten schon der schweigsame Fahrer der Uni (wir sind jetzt in Indien, da hat man sowas) auf uns, um uns mit einer Familie zum Hotel zu fahren.

Auf dem Weg hat Mareike mit Fahren im Indian Style Bekanntschaft gemacht. Ich war ja schon auf einiges gefasst, aber Lichthupe des Gegenüber war mir auch neu. In Mareikes Augen stieg die Panik mit jedem Mal hupen und spontanem wieder einscheren.

Aber, wir sind heil angekommen.

Die insgesamt gut 28 Stunden Reise ist gut überstanden und das Abenteuer Uni in Indien geht los. Mehr dazu aber später.