Sunday, January 14, 2007

Zack zack zur Post und ab mit dem Paket...

... so ganz einfach ist das dann doch nicht in Indien!

Ja, ich gebe es zu, ich bin im Buchladen mal wieder meiner Papiersucht verfallen.
Ist aber doch auch nicht fair, wenn es auf die Bücher noch bis zu 30% Rabatt gibt.
Und lesen bildet also habe ich noch nichtmal ein schlechtes Gewissen! So!

Mit letzter Kraft habe ich im Hotelzimmer die Bücher so übereinandergestapelt, dass ein möglichst handliches Paket dabei rauskommt.
Schnell ein paar Lagen Zeitungspapier und alte Schuhkartons mit Kilometern an Klebeband zu einem - nein nicht handlichen - Paket verschnürt.
Hat gehalten und sogar in eine der überdimensionalen Plastiktüten gepasst.

Glücklich und zufrieden habe ich dem nächsten Morgen entgegengeschlummert, der auf dem Hauptpostamt beginnen sollte.

Falsch, denn er fing DAVOR an.

Kaum aus dem Taxi ausgestiegen, hatte einer von diesen wuseligen Straßengaunern mein Paket in den Fingern, aus seinem Mund sprudelte "Tailor? Tailor Ma'am? Stitching?"
Bevor ich ja sagen konnte, war er mit meinem Paket schon auf die andere Straßenseite gehüpft.
Als ich ankam hatte ein älterer Herr sich schon dran gemacht Stoff zu suchen.
Freundlich wie er war hat er mir angeboten kleine Paketchen draus zu schnüren, weil das billiger kommen würde.
Im Angedenken an meine schweißtreibende Packaktion am Abend vorher habe ich aus Prinzip abgelehnt.

Da es noch früh war und die Post nicht wie im Lonely Planet um 10.30 Uhr, sondern erst um 11.00 Uhr aufmacht, machte sich der Gute in aller Seelenruhe daran mein Paket in den dünnsten Stofflappen einzunähen, den er finden konnte.
Dieses Mal hätte ich doch auf ein bisschen mehr Stoff vertraut, so stabil war meine Konstruktion dann doch nicht, aber gut.
Ich vertraue drauf, dass alles klappt.

Während er so nähte, saß ich auf meinem Höckerchen hinter der lustigen Herrenriege - ich hatte keine Wahl, ich musste unter die Plane, weil die bösen Vögel mich sonst vollkacken würden - und habe die Leute beobachtet, wie sie mehr oder weniger fix ihr alltägliches Gebet am Tempel direkt daneben erledigt haben, wie andere Touristen mit ihren Paketen kämpften...

Irgendwann war meins dann auch fertig, der nette Herr hat mich für 10 Rupien mehr dann auch im richtigen Büro abgeliefert und mein Paket getragen.
Fand ich ein faires Angebot, hätte ich sonst wahrscheinlich nie gefunden.

Da saß ich dann also, nein nicht am Paketschalter der Post, sondern am Foreign Parcel Export Department!
Der wichtige Name änderte nichts daran, dass ich erst dumm warten musste und dann drei Seiten Formular ausfüllen musste.
Toll zusammengetackert und von einem Arbeitssklaven mit Kohlepapier bestückt.
Mit der Zeit lernt man ja und guckt sich das Ganze nochmal an, natürlich nur zwei gleiche Formulare und die noch nichtmal gleich kopiert...
Also alle drei nacheinander ausgefüllt. Paket ordentlich beschriftet und den beiden netten Australiern auch noch geholfen und zusammen gewartet...

Plötzlich bog ein gealteter Sonnenschein um die Ecke, schüttelte uns allen die Hand und öffnete die wichtige Tür.
Los ging es aber trotzdem erst 20 Minuten später, aber egal.

Erst ging es los mit einer Diskusssion, dass ich meine Passnummer in das Formular eintragen musste, hatte ich natürlich nicht dabei, schnell erzählt, dass ich ja schon mindestens zehn Pakete ohne Passnummer abgeschickt habe und schwupp tat es auch eine Unterschrift.
Mit dem vollständigen Formuler durften wir zur Privataudienz zum Superintendent of Tralalla, sah wichtig aus, nötigte mich dann auch glatt den anderen Arbeitssklaven zu holen und mein schön verschnürtes Paket nochmal aufzuschlitzen. Scheinbar sah ich vertrauenswürdig genug aus und musste nur ein paar Bücher vorführen. Mit großem Stempel auf meinem wichtigen Papier durfte ich zum Zunähbeauftragten, dann weiter zum Sonnenschein, der auf alle möglichen Ecken und Nähte einen Klecks Siegellack tropfte, sein Siegel draufpresste, einen weiteren Stempel auf das Paket hämmerte und mich nicht daraufhinwies, dass die Lackkleckse noch heiß waren. Also wieder mal Finger verbrannt.
Mit dem ordentlich versiegelten Paket musste ich wieder zum Superintendent, der auf dem Stempel unterschrieb.
Okay, dann ja jetzt nur noch schnell bezahlen und ab gehts. Falsch gedacht, erstmal noch eine Schlange an einem weiteren wichtigen Schreibtisch mit überdimensionalen Büchern bilden.
Nach zehn Minuten fiel den Herren auf, das brauchen wir ja gar nicht, also ab mit unseren Paketen wieder raus an den Schalter, alles abgeliefert, Aufkleber ausdrucken lassen, aufgepasst wie ein Luchs, dass der Aufkleber mit der Adresse und dem Strichcode auch auf dem richtigen Paket landet, Wechselgeld hin und her getauscht, weil die Kasse wie in jedem indischen Laden morgends leer ist und dann doch glücklich die indische Posthölle verlassen.

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob das Paket jemals in Deutschland ankommt.

Ein bisschen Abenteuer gehört ja schließlich auch dazu.

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